Sich selbst hintanstellen

Immer für andere da: wenn Zusagen leichter fällt als Nein

Du sagst zu, auch wenn du keine Kraft hast. Was du selbst brauchst, merkst du erst, wenn nichts mehr geht. Und wenn du dich einmal um dich kümmerst, fühlt es sich falsch an. Das ist keine Schwäche — aber in einer schlechten Phase wird daraus ein Muster, das sie am Laufen hält.

Läuft das bei dir gerade? Neun Fragen, etwa zwei Minuten

Woran du es erkennst

Vier Sätze, in denen sich dieses Muster meistens zeigt:

Warum es sich selbst am Laufen hält

Für sich genommen ist das eine Frage der Persönlichkeit, nicht der Phase. Was gut untersucht ist: Menschen, deren Wert davon abhängt, gebraucht zu werden, haben in Längsschnittstudien ein höheres Risiko, in eine Depression zu geraten — anders als Menschen, deren Wert an inneren Dingen hängt. Und wer eigene Bedürfnisse so lange zurückstellt, bis sie nicht mehr spürbar sind, trägt ein Muster, das in einer Auswertung von 51 Studien deutlich mit Depression zusammenhängt.

In einer schlechten Phase wird daraus ein Motor. Es gibt keine Erholung, weil immer jemand etwas braucht. Es gibt kein Nein, also keine Grenze, an der die Kraft wieder zunimmt. Und wenn die Kraft weg ist, bleibt Groll — auf die anderen, und dann auf sich selbst dafür.

Dieser letzte Schritt verbindet das Muster mit zwei anderen: „Ich bin nichts wert, wenn ich nicht kann" ist Selbstabwertung und Scham. Und das Absagen, das irgendwann doch kommt, weil nichts mehr geht, ist Rückzug — nur ohne die Entlastung, weil es sich wie Versagen anfühlt.

Was dagegen hilft

Nicht, die Fürsorge abzulegen. Sie ist ein Wert, und der bleibt. Was hilft, ist kleiner: ein einziges Nein in dieser Woche, zu etwas, das jemand anderes auch tun kann. Kein Grundsatz, ein Versuch.

Der zweite Hebel liegt vor dem Zusagen. Einen Satz notieren: „Was brauche ich heute?" Nicht, um abzusagen — um überhaupt zu wissen, was da ist. Wer das eine Weile macht, merkt die eigenen Bedürfnisse wieder, bevor nichts mehr geht.

Und der Maßstab aus dem Selbstmitgefühl gilt auch hier: Würdest du von jemandem, der dir wichtig ist, verlangen, dass er zusagt, wenn er keine Kraft hat?

Was eher nicht hilft

Wann es mehr braucht als eine App

Wenn die Erschöpfung nicht mehr weggeht, wenn du seit Wochen morgens nicht hochkommst oder Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen, ist das keine Frage von Grenzen mehr. Dann gehört jemand dazu: Hausarzt, Terminservicestelle unter 116 117, Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, rund um die Uhr, kostenlos und anonym. Wer immer für andere da ist, tut sich damit am schwersten — genau deshalb steht es hier.

Was die Anwendung dazu anbietet

Ein kleines Nein

Nicht die Fürsorge ablegen — sie ist ein Wert, und der bleibt. Nur eine Stelle finden, an der die Kraft wieder zunimmt. Kein Grundsatz, ein Versuch.

Vorher stellt die Anwendung neun Fragen und danach zehn zur Sicherheit: Manches, was bei Depression hilft, ist bei anderen Verläufen ungünstig. Erst dann steht die Übung an ihrer Stelle — ohne Konto, und alles bleibt auf deinem Gerät.

Läuft das bei dir gerade?

Neun Fragen, etwa zwei Minuten. Danach siehst du, welche der sieben Muster deine Phase gerade tragen — ohne Konto, und alles bleibt auf deinem Gerät.

Zum Test

Noch nicht fachlich geprüft

Dieser Text ist noch nicht von einer Psychotherapeutin, einem Psychotherapeuten oder einer Fachärztin für Psychiatrie gegengelesen. Er beruht auf den unten genannten Quellen, ersetzt aber keine Beratung und sollte bis zur Prüfung nicht als gesicherte Auskunft gelesen werden.

Quellen

Wenn es dir akut schlecht geht