Zum Einstieg
Ist das normal, oder ist das schon eine Depression?
Es geht dir seit Wochen schlecht, und du weißt nicht, ob das noch dazugehört oder schon etwas anderes ist. Diese Frage stellen sich sehr viele Menschen, und sie ist schwerer zu beantworten, als sie klingt.
Was läuft gerade bei dir? Acht Fragen, etwa zwei Minuten
Warum „normal" die falsche Frage ist
Es gibt keine Linie, an der man das ablesen könnte. Traurigkeit nach einem Verlust, Erschöpfung nach Monaten Überlastung, Schwere im lichtarmen Winter — das alles gehört zum normalen Bereich und kann sich trotzdem furchtbar anfühlen. Umgekehrt gibt es depressive Episoden, die von außen unauffällig aussehen.
Zwei Fragen bringen weiter als die nach dem Normalen. Kommst du durch deinen Tag, und um welchen Preis? Und: Hält sich der Zustand inzwischen selbst am Laufen — über Rückzug, Grübeln, verschobenen Schlaf?
Das ist kein Ausweichen. Auch fachlich wird nicht abgezählt: Die ICD-11 bestimmt den Schweregrad nicht mehr über die Anzahl der Symptome, sondern darüber, wie stark jemand beeinträchtigt ist.
Woran Fachleute es festmachen
Für eine depressive Episode braucht es mindestens eines von zwei Hauptsymptomen, fast täglich und über mindestens zwei Wochen:
- Gedrückte Stimmung.
- Verlust an Interesse und Freude — auch an Dingen, die vorher sicher gewirkt haben.
Dazu kommen Zusatzsymptome
Sie werden in drei Gruppen geordnet:
- Im Denken: Konzentrationsprobleme, Unentschlossenheit, das Gefühl, wertlos zu sein oder schuld, Hoffnungslosigkeit, Gedanken an den eigenen Tod.
- Im Verhalten: Antriebsmangel, Verlangsamung oder das Gegenteil, Getriebenheit, Rückzug.
- Im Körper: Ein- oder Durchschlafprobleme, frühes Erwachen, veränderter Appetit, Erschöpfung, nachlassendes sexuelles Interesse.
Zwei Wochen sind die Größenordnung
Ein schlechter Tag ist ein schlechter Tag. Eine schwere Woche nach einem schweren Ereignis ist eine Reaktion. Wenn es fast täglich über zwei Wochen anhält und dein Leben dabei kleiner wird, ist das die Größenordnung, ab der sich Hinschauen lohnt.
Wichtiger als die Intensität ist dabei die Beeinträchtigung. Nicht wie schlimm es sich anfühlt, sondern wie viel davon dir wegbricht.
Bemerkenswert: Antriebsmangel ist in der ICD-11 kein Hauptsymptom mehr, sondern ein Zusatzsymptom — obwohl er für viele Menschen das am stärksten erlebte ist.
Was ein Fragebogen leisten kann und was nicht
Fragebögen wie der PHQ-9 sind ein Screening und keine Diagnose. Sie sind darauf gebaut, niemanden zu übersehen, und nehmen dafür in Kauf, dass sie auch Menschen auffällig einstufen, bei denen nichts vorliegt.
Ein Wert beschreibt die Symptomlast der letzten zwei Wochen. Er sagt nichts über die Form, nichts über die Ursache und nichts darüber, wie es weitergeht.
Und: Ein Screening ohne einen Weg dahinter nützt wenig. Wer fragt, muss auch sagen können, wohin es dann geht.
Wann du nicht abwarten solltest
Bei leichter Ausprägung ist abwartendes Beobachten ein anerkanntes Vorgehen — beobachtend allerdings, nicht ignorierend. Drei Dinge sind davon ausgenommen.
Wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen, ist das der Punkt, an dem jemand dazugehört. Die Telefonseelsorge ist unter 0800 111 0 111 rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym.
Wenn die Grundversorgung leidet — Essen, Waschen, Wohnung — oder wenn es seit Monaten so geht, ist Abwarten keine gute Idee mehr. Und unabhängig davon lohnt ein Blutbild: Schilddrüse, Eisen, Vitamin B12 und Vitamin D können sich anfühlen wie eine Depression und werden häufig übersehen.
Was läuft gerade bei dir?
Acht Fragen, etwa zwei Minuten. Sie stellen keine Diagnose, sondern zeigen, welche Muster deine Phase gerade tragen — ohne Konto, alles bleibt auf deinem Gerät.
Zum TestNoch nicht fachlich geprüft
Dieser Text ist noch nicht von einer Psychotherapeutin, einem Psychotherapeuten oder einer Fachärztin für Psychiatrie gegengelesen. Er beruht auf den unten genannten Quellen, ersetzt aber keine Beratung und sollte bis zur Prüfung nicht als gesicherte Auskunft gelesen werden.