Für Angehörige
Wie du es ansprichst, auch die schwere Frage
Der Moment, vor dem die meisten zurückschrecken. Meist aus Sorge, etwas falsch zu machen oder etwas aufzurühren. Beides lässt sich einordnen.
Die Muster verstehen, die du siehst Acht Fragen, etwa zwei Minuten
Mit einer Beobachtung anfangen, nicht mit einer Diagnose
Ein Krankheitsname am Anfang setzt die andere Seite unter Druck, ihn zu bestätigen oder abzuwehren. Beschreib stattdessen, was dir aufgefallen ist, und häng eine offene Frage dran.
Zum Beispiel: „Mir ist aufgefallen, dass du seit ein paar Wochen kaum noch rausgehst und dass du nachts lange wach bist. Wie geht es dir damit?"
Das ist überprüfbar, greift nichts an und lässt jede Antwort zu.
Was im Gespräch hilft
- Zeit, in der nichts nebenbei läuft.
- Zuhören, ohne sofort zu lösen.
- Pausen aushalten, auch längere.
- Nicht drängen, wenn nichts kommt — und sagen, dass du wieder fragen wirst.
Die schwere Frage
Wenn dir der Gedanke kommt, die Person könnte nicht mehr leben wollen: Frag direkt danach.
Die verbreitete Sorge, man bringe jemanden mit dieser Frage erst auf die Idee, geht am Vorgehen der Fachwelt vorbei. In der Versorgung gilt das Gegenteil als gute Praxis: Sobald ein Hinweis besteht, folgt die direkte, konkrete Nachfrage — „Hast du Gedanken, dir das Leben zu nehmen?" So, in dieser Deutlichkeit.
Wenn die Antwort ja lautet, frag weiter, ob es eine Absicht oder einen Plan gibt. Bei Hinweisen darauf gehört eine Einschätzung an denselben Tag, nicht nächste Woche.
Was du danach tust
- Nicht allein lassen, solange die Lage akut wirkt.
- Gemeinsam anrufen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111, rund um die Uhr, kostenlos und anonym.
- Bei akuter Gefahr für Leib oder Leben: 112.
- Für eine zeitnahe, aber nicht notfallmäßige Abklärung: 116 117.
Ein Versprechen, das du nicht geben kannst
Manchmal folgt die Bitte, mit niemandem darüber zu reden. Dieses Versprechen kannst du nicht halten, und es ist in Ordnung, das auch so zu sagen: dass du niemanden hintergehen willst, aber auch nicht allein damit bleiben kannst.
Ebenso wenig musst du das allein tragen. Die Telefonseelsorge ist ausdrücklich auch für Angehörige da.
Wenn das Gespräch nicht gelingt
Es muss nicht das eine große Gespräch werden. Mehrere kleine, über Wochen verteilt, sind der Normalfall und nicht das Scheitern der ersten Versuche. Dass du wiederkommst, ist die eigentliche Botschaft.
Die Muster verstehen, die du siehst
Sechs Verhaltensmuster tragen eine depressive Phase. Zu wissen, welches gerade läuft, verändert, was hilft — und was besser unterbleibt.
Die sechs Muster ansehenNoch nicht fachlich geprüft
Dieser Text ist noch nicht von einer Psychotherapeutin, einem Psychotherapeuten oder einer Fachärztin für Psychiatrie gegengelesen. Er beruht auf den unten genannten Quellen, ersetzt aber keine Beratung und sollte bis zur Prüfung nicht als gesicherte Auskunft gelesen werden.