Für Angehörige
Was Angehörigen hilft und was schadet
Die meisten gut gemeinten Sätze machen es schlimmer. Das liegt nicht an dir und nicht an deiner Zuneigung, sondern daran, wo sie landen.
Die Muster verstehen, die du siehst Acht Fragen, etwa zwei Minuten
Was hilft
- Da sein, ohne ein Programm mitzubringen.
- Klein und konkret einladen: mit zum Bäcker statt „wir müssen mal wieder raus".
- Wieder einladen, auch nach dem dritten Nein, und ohne dass es nach Vorwurf klingt.
- Eine konkrete Sache abnehmen, die gerade klemmt — ein Anruf, ein Formular, ein Einkauf.
- Beim ersten Schritt in die Versorgung dabei sein: gemeinsam bei 116 117 anrufen, oder in die Praxis mitgehen.
Warum kleine Einladungen besser sind
Kontakt aufzunehmen kostet in einer depressiven Phase tatsächlich mehr als sonst. Die Schwelle ist real und kein Vorwand. Eine große Einladung ist eine große Schwelle, eine kleine eine kleine — das ist die ganze Logik dahinter.
Und deshalb sind Absagen kein Urteil über eure Beziehung. Sie sagen etwas über die Höhe der Schwelle an diesem Tag, sonst nichts.
Was eher schadet
- Aufmuntern nach dem Muster „so schlimm ist es doch gar nicht".
- Ratschläge, die auf mehr Anstrengung hinauslaufen.
- Vergleiche mit anderen oder mit früher.
- Große Pläne und Unternehmungen als Lösung anbieten.
- Nach einer Absage beleidigt sein oder es zeigen.
- Bedingungen stellen: „entweder du gehst zum Arzt, oder …".
Warum ausgerechnet gute Absichten dort landen
Eines der sechs Muster ist Selbstabwertung: ein innerer Ton, der härter ist als der, den die Person bei anderen anlegen würde. Wo dieses Muster läuft, wird jeder Hinweis auf Nicht-Können zum Beweis über die eigene Person.
Ein aufmunternder Satz kommt dann nicht als Aufmunterung an, sondern als Bestätigung: Sogar der sieht, dass ich es nicht hinbekomme. Das ist der Grund, warum sich gut gemeinte Anstöße so oft ins Gegenteil verkehren.
Der Satz, der fast immer trägt
Nicht raten, sondern fragen: „Was wäre gerade hilfreich?" Und dann aushalten, wenn die Antwort „nichts" oder „weiß ich nicht" lautet. Auch das ist eine Antwort, und die Frage bleibt trotzdem stehen.
Wann es mehr braucht als dich
Wenn es seit Wochen so geht, wenn die Grundversorgung leidet — Essen, Waschen, Wohnung —, oder wenn du merkst, dass alles an dir hängt: Über 116 117 vermittelt die Terminservicestelle eine psychotherapeutische Sprechstunde, und der Hausarzt kann körperliche Ursachen ausschließen.
Die Muster verstehen, die du siehst
Sechs Verhaltensmuster tragen eine depressive Phase. Zu wissen, welches gerade läuft, verändert, was hilft — und was besser unterbleibt.
Die sechs Muster ansehenNoch nicht fachlich geprüft
Dieser Text ist noch nicht von einer Psychotherapeutin, einem Psychotherapeuten oder einer Fachärztin für Psychiatrie gegengelesen. Er beruht auf den unten genannten Quellen, ersetzt aber keine Beratung und sollte bis zur Prüfung nicht als gesicherte Auskunft gelesen werden.